Wie Schüler fit im Umgang mit Medien, Tablets und Co. werden.

Medienbildung


Tablets und Smartphones sind allgegenwärtig, digitale Medien auf dem Vormarsch und Medienbildung entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Schlüsselqualifikation. Um die Schüler auf diese digitale Lern- und Arbeitswelt vorzubereiten und ihre Kompetenzen auszubauen, hat das Land Baden-Württemberg zum Schuljahr 2016/2017 erstmals auch Medienbildung als eine von sechs übergeordneten verbindlichen Leitperspektiven im Unterricht verankert. 

Künftig werden die Lernenden sowohl in der Grund- als auch in den weiterführenden Schulen fit im verantwortungsvollen Umgang mit Medien gemacht. Darüber hinaus eignen sie sich grundlegende IT-Kenntnisse an und üben den Umgang mit wichtigen Programmen. Die Medienbildung wird dabei spiralcurricular und fächerübergreifend in den Lehrplan integriert.

Langsames Heranführen in der Grundschule.
In der Grundschule wird zunächst sukzessive an die Medienerfahrungen der Schüler angeknüpft und der Grundstein gelegt, um ihre Medienkompetenz zu entwickeln und zu stärken. Entsprechend ihrem Lernfortschritt findet künftig medienintegrativer Unterricht in den verschiedenen Fächern statt. So schulen beispielsweise Hörspiele im Deutschunterricht das Textverstehen, wenn die Lesekompetenz zu Beginn des Schulbesuchs noch nicht so ausgeprägt ist. In höheren Klassenstufen werden dagegen durch einen Blog oder durch Texten für die Schulhomepage konkrete Schreibanlässe geschaffen und dabei etwa auch der Einsatz von Textverarbeitungsprogrammen wie Word inklusive Rechtschreibüberprüfung genutzt.

Auch im Mathematikunterricht gibt es viele Möglichkeiten, die Medienkompetenz zu schulen, beispielsweise, wenn die Grundrechenarten mit speziellen Lernprogrammen oder Apps vertieft werden. In Sachkunde können die Schüler beim Thema Wald multisensorisch durch Töne und Geräusche der Bewohner angesprochen werden und so einen ganz anderen Zugang zu den Unterrichtsinhalten gewinnen.

Tablets als Bereicherung für den Medienbildungsunterricht.
Im Gegensatz zu dem klassischen Computerraum bieten gerade Tablets den Vorteil, dass sie niederschwellig eingesetzt werden können, das heißt, dass sie für kurze Recherchen oder mediengebundene Unterrichtseinheiten unmittelbar zur Verfügung stehen. Sollen die Geräte nur bei bestimmten Unterrichtsvorhaben oder nur im Rahmen von Gruppenarbeit eingesetzt werden, bietet sich als Nutzungsmodell beispielsweise ein Ausleihesystem mit einer mobilen Kofferlösung an. Denkbar sind aber auch hier 1:1-Klassen, gerade auch in den 3. und 4. Klassen. In jedem Fall bieten die mobilen Lernbegleiter neben einer Schulung der Medienkompetenz die Möglichkeit, Wissen spielerisch zu vermitteln oder zu vertiefen, sei es, um das Addieren und Multiplizieren anschaulich und altersgerecht zu üben oder um den Wortschatz zu festigen, wie beim Erstellen eines Comics mit Apps wie Comic Life.

Basiskurs Medienbildung in Klasse 5.
Um einheitliche Voraussetzungen in Sachen Medienbildung für alle Schüler zu schaffen, gibt es künftig einen Basiskurs Medienbildung in Klasse 5, der einen entscheidenden Baustein in der neu eingeführten Leitperspektive Medienbildung darstellt. Er dient allen Lernenden als eine Art Grundkurs zum Erwerb von Medienkompetenz, auf die später alle Fachlehrer in ihrem Unterricht zurückgreifen können. Der Basiskurs umfasst 35 Unterrichtsstunden und kann entweder als Kompaktwoche, im Rahmen von Projekttagen oder in einem wöchentlichen zweistündigen Unterrichtsblock im ersten Schulhalbjahr stattfinden.

Darin werden die grundlegenden Kompetenzbereiche der Medienbildung thematisiert. So lernen die Schüler, wie sie Internetbrowser und Suchmaschinen gezielt zu Recherchezwecken einsetzen und die so gewonnenen Informationen bewerten und strukturieren können. Anschließend erstellen sie selbst Texte, digitale Präsentationen, einen Audio- beziehungsweise Video-Beitrag oder eine Kombination aus beidem.

Spezielle Apps erweitern Präsentationsmöglichkeiten.
Gerade hierfür ist die Arbeit mit Tablets, entweder allein oder in Kleingruppen, sehr geeignet. Der Arbeitsauftrag kann etwa mit Sway, der digitalen Storytelling-App von Microsoft, erstellt werden. Möglich ist darüber hinaus beispielsweise auch die Arbeit mit Apps wie BookCreator oder Explain Everything. Wie Schüler diese oder weitere Inhalte mit anderen teilen können oder wie sie richtig und respektvoll digital und auf Lernplattformen kommunizieren, wird ebenfalls thematisiert. Zudem werden die Lernenden mit allen Aspekten der Mediennutzung und elementaren Funktionen von Geräten und Programmen vertraut gemacht. Der Lernfortschritt in Sachen Medienbildung kann in dem Medienpass dokumentiert werden, den das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg zur Verfügung stellt.

Sekundarstufe 1 und im Gymnasium: Medienbildung in allen Fächern.
Nachdem die Lernenden durch den Basiskurs einen ersten Mindeststandard der Medienkompetenz erworben haben, wird dieses Know-how in den unterschiedlichen Fächern sukzessive und der Klassenstufe entsprechend ausgebaut. So spielt der Einsatz von PCs und Tablets in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Geschichte, Kunst sowie in Evangelischer oder Katholischer Religionslehre weiterhin eine Rolle – sei es zu Recherchezwecken, bei der Anwendung konkreter Programme und Apps oder bei der Medienanalyse. Konkrete Anwendungsbeispiele hierfür sind auf den Seiten des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg nachzulesen.

Fortbildungen für Lehrkräfte.
Um im Rahmen der Medienbildung insbesondere auch Tablets pädagogisch sinnvoll einzubinden, ist es sinnvoll, Lehrkräfte in deren Anwendung gezielt zu schulen. Hierfür bieten sich Fortbildungen an, die die Lehrenden mit den Geräten, deren Betriebssystem sowie konkreten Programmen und unterrichtspraktischen Apps vertraut machen. Dabei erfahren sie beispielsweise, wie sich mithilfe der Tablets kreative Lernprodukte erstellen lassen, wie Apps verwendet werden können, um auf unterschiedlichste Lernstile, Arbeitsmethoden und Fähigkeiten der Schüler einzugehen und wie digitale Lernressourcen das Lehren und Lernen verbessern können. Zu den Fortbildungsmöglichkeiten im Rahmen der REDNET Akademieberaten wir Sie gerne.